Zuckerbitter

 In Allgemein, Veränderung

Vielleicht ist es ein Zufall, dass gerade Fastenzeit ist. Vielleicht auch nicht. Eigentlich egal. Ich habe jedenfalls beschlossen, die Süße in meinem Leben wieder weniger aus Zucker zu gewinnen. Und mehr aus anderen Dingen. Nicht, um abzunehmen. Nicht aus gesundheitlichen Gründen. Aber sehr wohl aus Wohlfühlgründen!

Aber der Reihe nach. Ich hab früher immer extrem gern und viel Süßes gegessen, bevorzugt Kekse und Kuchen und Mehlspeisen. Wirklich. Eine kleine Topfengolatsche zum Frühstück, ein Kekserl da, einen Schokoriegel am Nachmittag, ein Kekserl am Abend etc.

Irgendwann hab ich begonnen, mich genauer auseinanderzusetzen, mit dem was ich esse. Ich hatte nämlich alle möglichen seltsamen Symptome und Beschwerden. Nichts, was auf den ersten Blick drauf hingedeutet hätte, dass es mit meiner Ernährung zu tun hat. Aber dank der Kinesiologie fand ich heraus, dass die Symptome von einem geschwächten und überforderten Darm herrührten.

Ich hab daraufhin meine Ernährung sehr konsequent umgestellt, viele Dinge verändert und meinen Darm ganz gezielt wieder aufgebaut und verstärkt.

Die Liebe zum Süßen blieb mir aber trotzdem….hätte jemand gesagt: du kannst ohne Zucker leben!, hätte ich geantwortet: ja klar, einen Tag lang!

Bis ich 2015 irgendwie durch Zufall (schon wieder 🙂 bei einer Zuckerfrei-Challenge landete…30 Tage ohne Zucker! Weißer Zucker, brauner Zucker, Rohrzucker, Rübenzucker aber auch Fruchtzucker (Fructose), Honig, alle künstlichen Süßstoffe ( wie Aspartam, Acesulfam-K, Saccharin etc) und alternative Süßungsmittel (wie Ahornsirup, Reissirup, Agavendicksaft, Stevia etc). Pfuh…obwohl ich anfangs eigentlich überzeugt war, dass ich das nicht schaffen würde, reizte mich irgendwas dran dennoch und ich ließ mich drauf ein!

Die ersten Tage waren richtig hart für mich…vor allem weil ich eigentlich nicht genau wusste, was ich da dann noch essen konnte! Süßes Obst war ja auch keine Alternative. Je mehr man schaut, wo Zucker denn überall drinnen ist, umso mehr (teilweise unglaubliche!) Quellen findet man. Brot zb (Malz). Von Getränken ganz zu schweigen. Nachdem ich nur Wasser und Tee trinke, war das aber weniger herausfordernd für mich.

Nach einer Woche war die härteste Umstellung geschafft. Ich war wahnsinnig stolz auf mich! Und ich merkte schon nach einer Woche die totalen Veränderungen:

  1. Ich hatte keine Heißhunger-Phasen mehr, in denen ich das Gefühl hatte: ich brauche JETZT was süßes!
  2. Ich war weniger müde bzw. war mein Energielevel ausgeglichener und hatte weniger Hoch und Tiefs
  3. Weniger Hoch und Tiefs hatte auch meine Stimmung 😉
  4. Mein Hautbild war schöner
  5. Ich konnte leichter einschlafen und schlief tiefer

Nach diesen 30 Tagen kostete ich ein Stück Schokolade. Ich konnte es nicht fassen wie unglaublich- für mich fast grenzwertig- süß die war! Hatte ich davon wirklich jeden Tag etwas gegessen?

Im Schnitt konsumieren Menschen in Österreich 33, 2 Kilogramm Zucker im Jahr, in den USA ist der jährliche Pro-Kopf Verbrauch mittlerweile sogar mehr als doppelt so hoch! Kaum zu glauben…

Diese 30 Tage haben mir sehr bewusst gemacht, wieviel Zucker in wievielen Lebensmitteln drinnen steckt und wo er vor allem auch versteckt drinnen ist, weil wir ihn dort nicht vermuten und direkt schmecken! Ich hab gelernt, wieviele verschiedene Namen Zucker hat und wieviele Arten es gibt (Maltrose, Glukose, Dextrose….). Und ich habe bewusst hingeschaut, was Zucker in unserem Körper alles so machen kann und macht. Ja klar, Diabetes und Übergewicht sind jedem ein Begriff. Aber dass er auch das Immunsystem schwächt, für Konzentrationsschwäche, Energiemangel, Hyperaktivität und Entzündungen verantwortlich sein kann, ist uns weniger bekannt.

Diese zuckerlosen Tage haben mir aber auch noch etwas ganz anderes gezeigt. Nämlich welche starken und ganz schön mächtige Glaubenssätze ich zum Zucker gespeichert hatte. Ich konnte eigentlich nicht wirklich frei entscheiden, ob ich Zucker essen wollte oder nicht- da gab es ein Programm, dass mehr oder weniger automatisch ablief.

  • „Wenn ich jetzt nix Süßes esse, geht mir die Kraft aus“
  • „An besonderen Tagen darf man sich mit etwas Besonderem belohnen“
  • „Wenn man den ganzen Tag im Stress ist, muss man sich zwischendurch was Süßes gönnen“

Wie sehr „Zucker“ und „Belohnung“ für mich gleichgesetzt waren, wow! Ich hätte mir ja genauso denken können: „An besonderen Tagen darf man sich mit einem besonders roten Apfel belohnen!“- tat ich aber nicht 🙂

Mehr zu Glaubenssätzen und dem Zucker gibt es im nächsten Artikel…..

 

 

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Showing 2 comments
  • Anita
    Antworten

    Sehr interessanter Beitrag. Ich habe mir für die Fastenzeit auch vorgenommen, keinen Zucker zu essen (allerdings bin ich nicht so strikt, etwas Honig und Trockenobst ist erlaubt). Allerdings bin ich jetzt am Überlegen, wieder abzubrechen. Ich bin schon immer sehr dünn und habe direkt zwei Kilo abgenommen. Irgendwie führte das keine Süßigkeiten dazu, dass ich dann viel weniger gegessen habe. Jetzt habe ich mir erst einmal lauter kalorienhaltige gesunde Snacks gekauft. Mal sehen, ob es dann besser klappt. Viele liebe Grüße Anita

    • Ruth
      Antworten

      Liebe Anita,
      ja, das kann wirklich schnell gehen anfangs…ich esse zb wirklich viele Nüsse, die spenden Energie und haben ausreichend Kalorien. Oder zb Mandelmus mit Rohkoststicks? Mandelmilch-Smoothies? Bin gespannt, wie es weitergeht bei dir! Es gibt auch ein schönes Kochbuch zu dem Thema: Goodbye, Zucker! Vielleicht findest du da auch noch was, das dir schmeckt? Lieben Gruß Ruth

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